Interviews:
"Ich mag lieber die Operette"
Monika Gruszczynska
Eine junge, begabte Sängerin aus Wroclaw
Gazeta Wroclawska (Wroclawer Zeitung) vom 5 Juni 2003
Morgen singen Sie im Operettentheater in der „Csárdásfürstin". Hoffen Sie schon auf neue Rollen?
- Im Juni sollten Vorbereitungen zum „Land des Lächelns" anfangen. Am Casting können auch Sänger außerhalb unseres Theaters teilnehmen, doch ich hoffe, zur Besetzung aufgenommen zu werden. Das ist mein großer Wunsch. Ich möchte jetzt möglichst viel singen, darum ist jede solche Chance sehr wichtig.
Üben Sie viel?
- Ja, auch wenn ich frei am Wochenende habe und kein Konzert stattfindet, auch montags, wenn Schauspieler frei haben, übe ich auch. [...]
Sie geben oft Konzerte. Ist es für Sie nicht anstrengend?
- Es gibt in Polen wenige Sängerinnen, die im Konzert 14 Arien vortragen, wie ich. Ich höre ständig, ich soll meine Stimme nicht überanstrengen. Das liegt aber an der Technik. Wenn man weiß, wie man es macht, dann schadet eine Stunde Gesang weniger als eine Portion Eis oder ein Getränk mit Kohlensäure. Ich lerne unaufhörlich.
Denken Sie nicht an eine Kariere im Ausland?
- Ich bin ein Einzelkind, eine Papas Tochter. Ich verdanke viel meinen Eltern. Mein Vater sorgt für die Veranstaltung meiner Konzerte.
Seit einiger Zeit werbe ich für meine Stadt Wroclaw und das Wroclawer Operettentheater. Letztens habe ich in der Warschauer Królikarnia gesungen. Bis jetzt war das eins der wichtigsten Konzerte, die ich hatte. Ich konnte dabei vor einem besonderen Publikum auftreten. Nach dem Konzert bekam ich eine Einladung zur Zusammenarbeit mit dem Warschauer Kammerorchester. Nächste Woche fangen wir mit unseren ersten Aufnahmen an.
Viele Leute überzeugen mich, ich sollte nach Westen fahren und dort an Castings zu Opern teilnehmen. Ich mag jedoch lieber die Operette. Musik ist dabei ein wenig leichter und ich tanze so gerne auf der Bühn
SEMP
"MONIKA GRUSZCZYNSKA
Operettenstar"
Monatszeitschrift "Co Jest Grane" - Marz 2004
Eine junge, schöne Frau, mit einer wunderschönen Stimme begabt. So könnte man kurz Monika beschreiben, das reicht aber nicht. In Polen sagt man, Schönheit und Intelligenz schließen sich aus. Monika widerspricht jedoch dem Sprichwort. Sie ist intelligent, ehrgeizig, fleißig, ideenvoll, kann mit Menschen umgehen. Ihr Charme, ihre fröhliche Ausstrahlung und gefühlsbetonte Lebensart ziehen wie ein Magnet an. Sie ist bescheiden, gut ausgebildet und lacht gerne. Für eine Künstlerin, die am Anfang einer großen Kariere steht, ist sie sogar zu bescheiden. Gebürtig aus Wroclaw, hat sie hier die Musikgrundschule und dann das Musiklyzeum in der Klavierklasse abgeschlossen. 2000 absolvierte sie ihr 6-jähriges Vokal- und Schauspielerstudium an der Wroclawer Musikakademie. Sie singt Sopran lirico spinto.
Grazyna Migniewicz: Monika, ich habe gehört, du lässt zu jedem Konzert ein neues Kleid nähen.
- Monika Gruszczynska: Ich versuche im selben Kleid nicht am selben Ort aufzutreten. Ich finde, ein Künstler ist erst dann interessant, wenn er jedes Mal anders ist. Die Kleidung ist ein wichtiger Teil des Auftritts, verleiht einen Rang, betont Vorzüge des Künstlers. Sehr wichtig sind ebenfalls die Frisur und das Make-up.
Wie machen Sie das? Haben Sie Ihren eigenen Gestalter?
- Ich mag es gerne, meine Kleider selbständig auszudenken. Wenn ich weiß, was ich singen werde und in was für einem Konzertsaal, versuche ich ein entsprechendes Kleid aussuchen. Sehr wichtig sind nicht nur der Schnitt des Kleides, dazu gehören auch die Farbe und der Stoff. Dabei helfen mir zwei Schneiderinnen. Das sind zwei Damen, Mutter und Tochter, die beruflich Hochzeitskleider nähen. Das Make-up trage ich selbst auf, denn ich tue es sehr gerne. Es kommt vor, dass ich ein Make-up meinen Bekannten auflege, letztens habe ich meine Nachbarin vor ihrer Hochzeit verschönert.
Ich habe gehört, dass Sie schon seit dem Kindergarten singen!
- Tja, es war während eines Ausflugs. Ich musste offensichtlich im Reisebus so laut gewesen sein, dass meine Gruppenleiterin aus dem Musikkindergarten es gemerkt hat. Sie hat meine Eltern zum Verhör eingeladen. Infolgedessen wurde ich auf eine Liste der begabten Vorschulkinder gesetzt. Danach kam die Musikgrundschule und das Musiklyzeum in der Lowiecka-Straße.
Dann haben Sie bei der Berufswahl kein Problem gehabt!
- Ich war glücklich, ich mochte das, was ich machte. Inzwischen hatte ich jedoch noch andere Ideen. Ich wollte zum Beispiel Model werden. Ich nahm an verschiedenen Castings teil und man hat mir mal gesagt, ich soll 20 Kg innerhalb von 2 Wochen abnehmen. Dann bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mir meine Gesundheit und Lebensfreude wichtiger sind als ein mageres Model zu werden. Dann hatte ich noch vor, Kosmetikerin zu werden. Das war schon recht schwierig, denn ich wollte sogar auf eine andere Schule. Mein Vater, der bis heute mein bester Berater und Manager ist, wurde fast wahnsinnig. Er wiederholte, dass ich so viel gelernt habe und jetzt das alles vergeuden will. Ich kann mich erinnern, wie er sagte: „Du wolltest doch Künstlerin, keine Kosmetikerin werden". Er hatte recht. Das Singen ist zu meiner Leidenschaft geworden und die Fähigkeit, ein entsprechendes Kleid und ein Make-up auszusuchen helfen mir, mein künstlerisches Image zu gestalten.
Als Sie begannen, an der Musikakademie in Wroclaw zu studieren, wollten Sie Opernsängerin werden. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie ein Star der Operette wurden?
Ja, da stimmt. Das Repertoire, dass im Vokal- und Schauspielstudium zu realisieren ist, besteht hauptsächlich aus Opernliedern und Arien. Darum habe ich alles gelernt, was mit dem Operngesang verbunden ist. Italienisch gehört zu obligatorischen Fächern an der Musikakademie. Um die Sprache besser zu beherrschen, bin ich jedes Jahr im Sommer nach Italien gefahren. Heute denken Italiener, ich wäre Italienerin, die Polnisch kann. Dabei hilft mein Aussehen. Mit dunklem Haar sehe ich wie Italienerin aus. Italienischkenntnisse haben mir bei der Arbeit an Operntexten sehr geholfen. Ich brauchte keinen Übersetzer. Seitdem ich mich jedoch in die Operette verliebt habe, singe ich vor allem auf Polnisch und Deutsch.
Wann kam eine Wende in Ihrem Leben?
Noch als Studentin wurde ich beim Wroclawer Operettentheater engagiert. Damals habe ich gemerkt, dass mir das Repertoire sehr gefällt, dass es meiner Natur entspricht. Die Operette verlangt eine sehr gute Vortragstechnik, dazu kommt das Tanzen, was ich liebe und die Schauspielkunst. Ich habe beschlossen, in meiner Diplomvorstellung ein Operetten-Repertoire zu singen. Die Vorstellung war sehr gelungen und ich singe weiter Operettenarien und will nie damit aufhören.
Haben Sie eine Meisterin, die Sie inspiriert?
Maria Callas. Ich bin von ihrem Gesang beeindruckt. Ich denke jedoch, dass es kaum möglich ist, ihren Erfolg zu wiederholen.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg im Berufs- und Privatleben.
Grazyna Migniewicz und die Redaktion.